Systemphysiologische Studien

Der wissenschaftliche Schwerpunkt des Instituts liegt auf der systemischen Motorikforschung bei Gesunden und bei Patienten mit Bewegungsstörungen bzw. neuropsychiatrischen Erkrankungen.

Entwickelt hat sich dieser Schwerpunkt in den letzten Jahren unter anderem über das von der Volkswagenstiftung geförderte Projekt „Multimodal investigations of functional interactions and plasticity in the neuronal network linking action observation and execution: a combined functional MRI, MEG and TMS approach“, in dem in einem multimodalen Ansatz, der Verhaltensstudien, fMRT-, MEG- und TMS-Untersuchungen einschloss, der Frage nachgegangen wurde, welche Hirnregionen bei Bewegungsbeobachtung von Bedeutung sind, sowie einer Reihe von Projektförderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Hierzu zählten u.a. die Projekte „Multimodal investigation of neuronal circuits involved in execution and inhibition of self-determined and externally guided movements in Tourette syndrome“ (DFG MU 1692/2-1 und 2-2), in Zusammenarbeit mit Hartwig Siebner (Research Center for Functional and Diagnostic Imaging and Research, Danish Research Centre for Magnetic Resonance (DRCMR), Copenhagen University Hospital Hvidovre) und Alfons Schnitzler (Institut für Klinische Neurowissenschaften und medizinische Psychologie) (Universität Düsseldorf), „Intentional inhibition and self-control in Gilles de la Tourette syndrome“ (DFG MU 1692/3-1) in Kooperation mit den Arbeitsgruppen von Patrick Haggard (Institute of Cognitive Neuroscience, University  College London) und Marcel Brass (University of Ghent) und „Psychophysische Methoden im Kontext pharmakologischer und verhaltens-therapeutischer Ansätze zur Behandlung des Gilles de la Tourette Syndroms“ (DFG MU 1692/4-1) in Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Dresden (Veit Roessner, Christian Beste).

Die genannten Förderungen erlaubten den Aufbau eines nationalen und internationalen klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunks zum Tourette Syndrom. Hierzu wurde 2018 von der DFG eine standortübergreifende Forschungsgruppe (Sprecher: Alexander Münchau) an der Universität zu Lübeck und der Universität Dresden eingerichtet (DFG Forschungsgruppe „Cognitive theory for Tourette syndrome – a novel perspective (TEC4Tic)“ (FOR 2698).

Dank der sehr engen und wechselseitig befruchtenden Kooperation mit dem Institut für Neurogenetik konnte auch der Schwerpunkt Systemforschung bei genetisch determinierten neurologischen / neurogenetischen Erkrankungen etabliert werden. Zahlreiche Arbeiten entstanden hieraus, unter anderem Untersuchungen zu Phänotyp-Genotyp-Beziehungen bei Patienten mit primären fokalen Dystonien, Myoklonus-Dystonie, der sogenannten Rapid Onset Dystonia Parkinsonism, paroxysmalen Dystonien und genetisch bedingten Parkinson-Syndromen. Hieraus entwickelten sich die Studie “Connectivity and plasticity in cortical motor networks in Parkin gene associated parkinsonism and dopa responsive dystonia”, die als eigenständiges Projekt in den SFB 936 “Multi-Site Communication in the Brain” in der ersten Förderperiode aufgenommen wurde. In der 2. Förderperiode des SFB 936, waren Alexander Münchau gemeinsam mit Christine Klein Leiter des Teilprojekts “Modulation of the action selection and error processing networks in genetic parkinsonism using rTMS and DBS“. In der 3. Förderperiode sind Alexander Münchau und Christine Klein mit dem Projekt „Characterization of action control networks in genetically determined parkinsonism“ vertreten. 

Durch die Gründung des Zentrums für Seltene Erkrankungen an der Universität zu Lübeck und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, wurde das Themenfeld der Seltenen Erkrankungen strukturell im universitären Rahmen verankert. In Ergänzung zu und verzahnt mit den bereits gennannten Studien stellen systemphysiologische Untersuchungen bei definierten seltenen neurologischen / neurogenetischen Erkrankungen einen weiteren Schwerpunkt des Instituts dar. In diesem Zusammenhang erfolgte die Förderung des DysTract Konsortiums, des Deutschen Netzwerks zur translationalen Erforschung und Behandlung dystoner Erkrankungen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).